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KMU-Finanzierung

KMU-Finanzierung in der Romandie: Quellen, Garantien und Dossier-Vorbereitung

Die Wirtschaft der Romandie stützt sich massgeblich auf KMU.

Warum Ihr Dossier heute wichtiger ist als Ihre Bankbeziehung

Die Wirtschaft der Romandie stützt sich massgeblich auf KMU. Unternehmensgründung in Genf, Geschäftsübernahme im Kanton Waadt oder industrielle Entwicklung im Wallis: Der KMU-Kredit bleibt ein wesentlicher Wachstumshebel. Im Jahr 2024 verzeichnete die Schweiz mehr als 52'000 Unternehmensgründungen.

Das Bankenumfeld hat sich verschärft. Drei Realitäten prägen die Lage: eine strengere Risikosteuerung, eine vertiefte Analyse der Cashflows sowie höhere Anforderungen an das Eigenkapital.

Der KMU-Kredit basiert nicht mehr nur auf der historischen Beziehung zum Banker. Er verlangt überprüfbare Finanzdaten, vorsichtige Annahmen und einen nachgewiesenen Rückzahlungswillen.

Die Beratungsfirma Growme, tätig in Genf, Waadt und Wallis, stellt fest, dass das recente Ausscheiden eines grossen Bankakteurs auf dem Markt für Unternehmensfinanzierungen noch nicht kompensiert wurde.

Folge: Ein gut aufgebautes Dossier kann das Fehlen einer langen Bankbeziehung wettmachen; das Gegenteil trifft nicht mehr zu.

Den tatsächlichen Bedarf beziffern, ohne doppelt zu zählen

Der Finanzierungsbedarf beschränkt sich nicht nur auf den Maschinenpreis oder das Startkapital. Er umfasst die Anfangsausgaben, Zahlungsverzögerungen und allfällige Verluste während der Anlaufphase.

In der Schweiz kostet die Gründung eines Unternehmens im Durchschnitt 53'000 Franken. Dieser Betrag deckt die ersten Ausrüstungen, die grundlegenden administrativen Schritte und die ersten Monate der Geschäftstätigkeit ab, bevor ein Gehalt ausgeschüttet werden kann.

Der Liquiditätsplan ist das zentrale Instrument, um diese Bedürfnisse zu identifizieren. Er zeigt den maximal zu deckenden Betrag und den Zeitpunkt des Spitzenbedarfs auf.

Vier Kategorien tauchen regelmässig auf. Investitionen: Ausrüstungen, Fahrzeuge, Umbauten und Werkzeuge, die langfristig genutzt werden.

Gründungskosten: Gebühren für die Gründung, kommerzielle Vorbereitung, Beratungen und andere initiale Kosten. Der Betriebszyklus: Lagerbestände, Löhne und Lieferantenrechnungen, die vor den Kundenzahlungen beglichen werden müssen.

Die Sicherheitsmarge: Eine Reserve, die durch die Unsicherheiten des Projekts und die getesteten Szenarien gerechtfertigt ist.

Die Kohärenz der Berechnung ist entscheidend. Wenn man alle Positionen der Bilanz mechanisch zu einer geschätzten Liquidität addiert, verfälscht dies das Ergebnis, da einige Bedürfnisse bereits darin enthalten sind.

Jede Auszahlung darf nur einmal erscheinen. Andernfalls wirkt der beantragte Betrag aufgebläht, und das Dossier verliert bereits bei der ersten Lektüre an Glaubwürdigkeit.

Eigenkapital und Beiträge von Nahestehenden: Die unersetzliche Basis

Der Bankkredit ergänzt das Eigenkapital, er ersetzt es nicht. Die BCF (Freiburg) formuliert es unverblümt: Eigenkapital reicht zwar nicht immer aus, um ein Unternehmen zu gründen, aber ein finanzieller Beitrag ist unerlässlich, um ein Projekt zu starten.

Die BCBE (Bern und Solothurn) weist darauf hin, dass das gesetzlich vorgeschriebene Anfangskapital einer AG oder GmbH nicht aus Fremdkapital bestehen darf, das von einem Finanzinstitut bereitgestellt wird.

Ein Bankkredit kann hingegen nach der Gründung der Gesellschaft oder zu Beginn der Entwicklungsphase aufgenommen werden. Er kann zur Sicherung der Liquidität, zur Finanzierung des Umlaufvermögens oder zur Tätigung erster Investitionen dienen.

Für bescheidene Bedürfnisse bleibt der Hebel der «3F» ein anerkannter Weg. Gemäss Pascal Bourgier, Coach im Genfer Büro von Genilem, raten Begleiter bei Finanzierungsbedürfnissen unter 100'000 Franken meist zur Familie («Family»), zu Freunden («Friends») und zu «Fools» (gutgläubigen Investoren).

Schweizer Unternehmer finanzieren sich beim Start zu 65 Prozent selbst, der Rest stammt von Familie und Freunden.

Die Inanspruchnahme von Nahestehenden entbindet nicht von der notwendigen Arbeit. Eine vollständige Marktstudie, die den Kundenbedarf analysiert und die Konkurrenz auflistet, bleibt ebenso unerlässlich wie ein seriöser Businessplan, der die Kosten und die erwarteten Gewinne darlegt.

Selbst ein familiärer Darlehensvertrag setzt voraus, dass der Geldgeber das Projekt, die Zielgruppe und die erwarteten Cashflows versteht.

Kredit, Leasing oder Kontokorrent: Das Instrument dem Zweck anpassen

Drei Verwendungszwecke sind zu unterscheiden: Finanzierung von Ausrüstungen, Finanzierung des Umlaufvermögens und Aufbau von Liquiditätsreserven.

Der Bankkredit kann Ausrüstungen oder bestimmte Liquiditätsbedürfnisse finanzieren, muss aber je nach Projekt mit Eigenkapital, Leasing oder anderer Unterstützung kombiniert werden. Das Ziel ist nicht, die Zustimmung eines Kreditgebers zu erhalten, sondern eine der Tätigkeit angepasste Finanzierung zu strukturieren.

Die BCF (Freiburg) bietet beispielsweise Investitionskredite, Betriebskredite, Handelskredite zum SARON-Zins und Leasing für Anlagegüter an.

Oft kombiniert ein einziges Projekt mehrere Instrumente: Schwere Ausrüstungen werden über ihre Nutzungsdauer finanziert; temporäre Verzögerungen zwischen Einkäufen und Einnahmen werden durch eine Kontokorrentlinie überbrückt, die zurückgezahlt wird, sobald sich der Zyklus schliesst.

Auch die BCBE unterstützt Gründungen durch Finanzierungsformeln, ein Ökosystem und Partnerschaften. Sie richtet sich an Unternehmer, die Eigen- oder Fremdkapital einbringen oder von Unterstützungen des Bundes, der Kantone oder von Stiftungen profitieren.

Fremdkapital kann von Institutionen, privaten Geldgebern oder Banken stammen. Es ermöglicht einen Anschub nach der Gründung, wobei der gesamte Aktienanteil erhalten bleibt.

Die Wahl der Bank spielt ebenfalls eine Rolle. Die Kantonalbanken spielen in der Romandie eine zentrale Rolle bei der Unternehmensfinanzierung: Sie kennen das lokale Wirtschaftsgewebe genau und unterstützen aktiv tragfähige Projekte.

Die grossen Nationalbanken wenden standardisiertere Scoring-Modelle an, bieten jedoch für solide Dossiers wettbewerbsfähige Konditionen. Je nach Art des Projekts und Ihrer lokalen Verankerung ist der eine oder der andere Ansatz vorteilhafter.

Bürgschaft: Die Garantie delegieren, nicht die Schuld

Eine Bürgschaft ist eine Garantie, die von einer spezialisierten Organisation bereitgestellt wird, um einen Kreditantrag zu untermauern. Strukturen wie Cautionnement Romand stellen Kreditgarantien aus, die den Zugang zu den benötigten Mitteln erleichtern.

Cautionnement Romand ist eine gemeinnützige Genossenschaft mit Sitz in Lausanne. Sie wurde 2007 gegründet und stützt sich auf das Bundesgesetz vom 6. Oktober 2006 über die finanzielle Unterstützung von Bürgschaftsorganisationen zugunsten von KMU sowie auf die Verordnung vom 12. Juni 2015.

Ihre lokalen Stellen intervenieren in der Romandie: die FAE in Genf, Cautionnement Vaud im Kanton Waadt, das CCF im Wallis und die SAFFA.

Der Mechanismus ist präzise: Cautionnement Romand verpflichtet sich gegenüber einer Geschäftsbank, die ordnungsgemässe Rückzahlung des von der Firma aufgenommenen Kredits zu garantieren. Es handelt sich nicht um eine direkte Finanzierung, sondern um die Verpflichtung, den Kredit anstelle des Schuldners zurückzuzahlen.

Dies ist insbesondere nützlich, wenn das Unternehmen weder eine Historie noch ausreichendes Vermögen als Pfand anbieten kann. Die Organisation unterstützt insbesondere Projekte zur Unternehmensübernahme oder zur Wiederbelebung von Geschäften in der Schweiz.

Die Bürgschaft verschiebt die Garantie, nicht die Schuld. Sie erleichtert den Zugang zur Finanzierung, löscht aber die Rückzahlungsverpflichtung des Kreditnehmers nicht. Das Unternehmen – und gegebenenfalls seine Führungskräfte – bleibt zur Rückzahlung gemäss den vereinbarten Bedingungen verpflichtet.

Ein Kreditgeber kann zudem Sicherheiten und persönliche Engagements verlangen, auch bei einer Gesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit. Eine GmbH oder AG besitzt ein vom Vermögen ihrer Eigentümer getrenntes Vermögen, doch dies ersetzt nicht die Analyse des Dossiers und schliesst eine persönliche Bürgschaft nicht aus.

Vor der Unterzeichnung einer Garantie ist es daher essenziell, das daraus entstehende private Risiko zu messen.

Öffentliche Hilfen, Stiftungen und Kredite für junge Unternehmen

Finanzielle Hilfen nehmen verschiedene Formen an: Darlehen, nicht rückzahlbare Zuschüsse, Bürgschaften, Sachhilfen oder subsidiäre Finanzierungen.

Subventionen werden oft von Stiftungen oder öffentlichen Programmen gewährt und müssen nicht zurückgezahlt werden.

Darlehen, wie jene von Fondetec oder der Stiftung Microcrédit Solidaire Suisse mit Sitz in Lausanne, bieten vorteilhafte Konditionen. Auch die STI-Stiftung bietet einen Kredit zur Unternehmensgründung an.

Diese Darlehen richten sich insbesondere an junge Unternehmen, die nur schwer Zugang zur traditionellen Bankfinanzierung finden.

Bürgschaften, etwa über Cautionnement Romand, untermauern die Sicherheit eines Bankkredits. Innovationsförderprogramme wie jene von Innosuisse zielen auf innovative Start-ups ab.

Der Kanton Waadt hat seine dritte Politik zur Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung vorgestellt.

Die Startkosten – Kauf von Material, Miete von Räumlichkeiten, Produktentwicklung – können hoch sein und sind allein schwer zu tragen.

Mehrere Parameter beeinflussen jedoch den Zugang: Tätigkeitsbereich, technologisches Innovationsniveau der Idee, Reifegrad, Kanton oder Region. Zwei ähnliche Projekte können daher je nach Standort sehr unterschiedliche Antworten erhalten.

Auch der Bezug aus der zweiten Säule kann die Tätigkeit finanzieren. Unabhängig vom gewählten Weg ersetzt eine Hilfe nie ein kohärentes Dossier: Der Kreditgeber oder die Organisation will denselben bezifferten Bedarf, dieselben Annahmen und dieselbe Rückzahlungsfähigkeit sehen.

Das vom Kreditgeber erwartete Dossier: Projekt, Annahmen und Rückzahlungsfähigkeit

Um einen Kredit zur Gründung oder Entwicklung eines Unternehmens zu erhalten, müssen drei Dinge nachgewiesen werden. Es braucht einen präzisen Finanzierungsbedarf, eine wirtschaftlich glaubwürdige Tätigkeit und die Fähigkeit zur Rückzahlung.

Ein gutes Dossier beschränkt sich also nicht darauf, einen Betrag zu fordern. Es erklärt, wofür dieser verwendet wird, wann die Einnahmen fliessen und wie das Unternehmen mit einem langsameren als erwarteten Start umgehen wird.

Die erwartete Struktur ist klassisch. Sie umfasst eine synoptische Präsentation des Projekts und eine vollständige, obligatorische Marktstudie, die den Kundenbedarf analysiert und die Konkurrenz auflistet.

Hinzu kommen die finanzielle Struktur der Tätigkeit – angefallene Kosten, Preis der verkauften Ware oder Dienstleistung – und der geschätzte Umsatz.

Bei Genilem gibt Pascal Bourgier an, dass der Verein die Erstellung eines etwa fünfzehnseitigen Businessplans anbietet. Dieser präsentiert das Projekt, die Zielgruppe, die finanzielle Struktur und den geschätzten Umsatz.

Ein Antrag auf Fremdkapital bei einem Finanzinstitut setzt in der Regel die Erfüllung verschiedener Bedingungen voraus, erinnert die BCBE. Insbesondere muss nachgewiesen werden, dass die Wachstumsperspektiven des Unternehmensumsatzes intakt bleiben.

Checkliste der Dokumente: synoptische Projektpräsentation, Marktstudie, finanzielle Struktur, geschätzter Umsatz und ein etwa fünfzehnseitiger Businessplan.

Eine Unternehmensgründung kompensiert das Fehlen einer Historie durch die Klarheit ihrer Annahmen. Da keine Bilanzen vorgelegt werden können, beurteilt der Kreditgeber die Solidität des Projekts anhand des Teams, der getroffenen Annahmen, der ersten kommerziellen Verpflichtungen, der eingebrachten Mittel und der verfügbaren Garantien.

Eine bereits etablierte Tätigkeit kann hingegen ihre Rechnungen und ihr Zahlungsverhalten vorlegen. In beiden Fällen ersetzt die gewählte Rechtsform diese Analyse nicht.

Sich vor der Einreichung begleiten lassen

Mehrere spezialisierte Verbände und öffentliche Organisationen bieten in der Schweiz Coaching an, um Unternehmern bei der Feinabstimmung ihres Dossiers zu helfen.

Der Nutzen ist konkret: Das Geschäftsmodell hinterfragen, korrekt beziffern, Inkohärenzen zwischen Liquiditätsplan und Finanzierungsbedarf erkennen, bevor ein Kreditgeber sie bemerkt. Diese Vorbereitungsarbeit vermeidet oft, dass ein unvollständiges Dossier eingereicht und nach einer ersten Ablehnung neu aufgebaut werden muss.

Vor dem Gespräch sollten vier Punkte überprüft werden. Erstens, der Spitzenbedarf: Entspricht der beantragte Betrag dem im Plan identifizierten Liquiditätshöchststand, ohne Doppelzählungen?

Zweitens, das vorsichtige Szenario: Hält die Rückzahlungsfähigkeit stand, wenn die Verkäufe langsamer anlaufen als geplant?

Drittens, die Garantien: Sind sie bemessen, und wurde das dadurch entstehende private Risiko bewertet? Viertens, die Gesamtkohärenz zwischen Liquiditätsplan, gewählten Instrumenten und dem an den Kreditgeber gerichteten Antrag.

Vergleichen Sie schliesslich die Gesamtkosten und Garantien der verschiedenen Angebote, wobei Sie im Hinterkopf behalten, dass eine Bürgschaft die Schuld nicht tilgt. Ein klares, beziffertes und vorsichtiges Dossier bleibt der beste Trumpf – heute entscheidender als das blosse Alter der Bankbeziehung.

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